Landschaft vor Errachidia

Es ist unser zweiter Besuch in Errachidia, den wir vor allem machen, um Otmane nochmal zu treffen. Wie beim ersten mal auch freuen wir uns sehr über etwas Ruhe und die Möglichkeit einen Alltagsrhythmus zu leben. Und (auch wie beim ersten mal, wenn auch weniger schlimm) liegen wir mit einem ‚Marokkoreise-Magen-Darm-Zeug‘ flach.

Nach knapp einer Woche geht es dann auch weiter, wir haben eine Möglichkeit gefunden in der Nähe von Tagounite zu arbeiten. Das ist schon fast in der Sahara, mittags werden es auch im Oktober immer noch um die 40°C.

Trockner Boden mit Palmen
Trockner Boden

Wir machen uns also auf den Weg, wieder trampend und kommen mit drei Autos gut durch. Die Straßen sind immer weniger befahren, zum Glück nimmt einen auch jedes Auto mit etwas Platz mit.

Abends kommen wir in Tagounite an und übernachten noch bei der Familie von Mohammed und Mustapha, den beiden Brüdern, denen wir beim Renovieren der Familienkasbah helfen werden.

Eine Kasbah ist meist außerhalb der Stadt und mehrere Familien haben da ihre traditionellen Lehmhäuser, umgeben und abgeschlossen von gemeinsamen Mauern.

Inzwischen leben nur noch wenige Menschen in diesen Dörfern und viele Ecken erinnern an Filmkulisse und Geisterstädte. Denn sobald man aufhört nach dem Regen die Lehmziegel, Mauern, Wände und Dächer wieder aufzubauen, sieht es schon nach ein paar Jahren nach einer Ruine aus.

Hauptstraße
Schlafzimmer
Küche
Bad

Unser Tagesrhythmus ist sehr temperaturabhängig:
Morgens, nach dem Fladenbrot-mit-Olivenöl-und-Marmelade-Frühstück fangen wir an Erde zu schippen, Wasser aus dem Brunnen zu holen und alles zu vermischen um Lehmziegel zu formen. Nachmittags wird es sehr heiß und auch wenn uns jeder in der Wüste erzählt, dass das ist gar nichts wäre und im Sommer viel heißer ist, sind wir froh, dass man von ca. 13:00-17:00 Uhr ‘nichts’ macht. Im Schatten liegen, Gitarre spielen, malen, Ringe machen und abends gehen wir oft noch zur Dattelernte.

Erde schaufeln
Wasser aus dem Brunnen holen
Matsch mit Stroh vermischen
Matschmasse schleppen
Lehmsteine formen
10 Tage trocknen lassen

Heißt, Mustapha klettert in Flip Flops und mit Messer bewaffnet in die Dattelpalme. Wir warten mit seiner Schwester, auf Planen sitzend und mit Eimern ausgestattet am Boden, bewundern den Sonnenuntergang, sammeln dann die Datteln auf und ab und zu verschwindet auch eine im Mund. Oder auch mal zwei.

Mit Machete im Baum
Zwischen den Datteln
Warten auf ein Auto

Nach einer guten Woche machen wir uns vom Süd-Osten Marokkos in den Westen auf, nach Tamraght.
Dort wollen wir wieder für Kost und Logis Arbeiten, bei einer Schweizerin, die dort eine Tierauffangstation hat.
Obwohl die reine Fahrtzeit recht lang ist, kommen wir tatsächlich an einem Tag durch. Und sind plötzlich am Meer!
Aus Tagounite kommen wir mit einem französischen Paar mit, dann geht es weiter mit einem LKW, unser erster auf dieser Reise. Mit Mohammed fahren wir durch einen engen, nicht wirklich gut ausgebauten Bergpass. Mit 30 km/h fahren wir da lang, haben einen unendlich weiten, beeindruckenden und schönen Blick.
Wir werden (kurz vor der nächsten, typischen Polizeikontrolle) aus dem LKW gelassen, spazieren durch die Stadt und finden sehr schnell ein polnisches Pärchen, das sich für den Urlaub einen geräumigen Mietwagen geholt hat. Und nach Taghazout fahren, was für uns bedeutet, nur 200m vor der Haustür rausgeworfen zu werden.
Renata holt uns ab und wir werden von 8 Hunden und 30 Katzen (ein Teil im Haus, ein Teil nur zu Futterzeiten und ein paar, die draußen ihr Essen bekommen) begrüßt. Obwohl die Hunde deutlich stürmischer sind.
Unsere nächsten Tage bestehen aus Hundespaziergängen, vor allem mit Klaras Liebling Goofy, Tiere füttern und aufpeppeln, Terrasse reinigen und streichen. Kochen, am Meer spazieren und Tiere streicheln.

Katzenhaufen
Den Wadenbeißerscheißer Neuankömmling aufpeppeln
Katzengetier mit David
Klara mit ihrem Hundeliebling
Liebe

Danach geht es auch schon weiter in den Norden, nach Tanger um von da nach Barcelona zu fahren.
Erst mal nach Agadir, dann weiter mit zwei Fahrern an Marrakesh vorbei und mit einem LKW bis vor Casablanca.
An der Tankstelle dürfen wir unser Zelt aufstellen auf einer Grünfläche zwischen Autowaschanlage, Zapfsäulen und Restaurant. Uns wird sogar noch ein frisch gebackenes Brot gebracht und wir verbringen noch einen schönen Abend am Rastplatz.
Am nächsten Morgen kommen wir mit dem ersten Auto, das wir ansprechen, bis Rabat, finden schnell ein nächstes Auto für eine dreiviertel Stunde und fahren die letzte Strecke mit Khamel und Mohammed bis Tanger rein. Beide arbeiten im Tourismus, Mohammed hat auch von ca. 1980-2000 in Deutschland gelebt und erzählt uns noch einiges über Marokko.
Mit ihm haben wir eine letzte tolle, spannende und gastfreundliche Trampstrecke in Marokko beendet und verbringen eine Nacht in Tanger, wieder mit lieben Menschen und Meer.

Noch mal Meer in Marokko

Mit Zeitdruck auf der Suche nach einem Taxi (hier eher ein wie ein öffentliches Verkehrsmittel als ein ‘klassisches’ Taxi) nach Tanger Med, also zum Hafen. Normalerweise passen in so ein Taxi sechs Mitfahrer, zwei auf den Beifahrersitz, vier auf der Rückbank. Nur will man uns erstmal kein geteiltes Taxi geben, weil man mit einem ‘taxi seul’ mehr verdient. Nach ein bisschen hin und her und immer mehr Zeitdruck können wir uns doch zusammen in ein Auto quetschen und fahren an der Küste lang zu unserem Schiff. Weil wir nicht nochmal in Spanien trampen wollten, haben wir die direkte, 28-stündige Fahrt nach Barcelona gebucht und kommen am nächsten Tag an.

Es werden Kotztüten für mögliche Zwischenfälle aufgehangen
Und noch ein Bild von unserer Katze Lore. In der Wüste ist sie uns am ersten Tag beim essen zugelaufen, ist ins Haus rein und hat ab da in der Kasbah gewohnt, auf unseren Bäuchen geschlafen und sich über Essensreste gefreut.
Selbstverständlich haben wir sie in Tagounite gelassen.